Kolpingjugend bekennt Farbe

Eine gerechte, nachhaltige und zukunftsorientierte Politik für junge Menschen und nachfolgende Generationen in Deutschland fordern die rund 100 Teilnehmenden der Bundeskonferenz der Kolpingjungend mit einem mit großer Mehrheit beschlossenen Antrag vom 21. Deutschen Bundestag. Bischof Dr. Bertram Meier forderte die jungen Menschen auf, Farbe zu bekennen. Bei der Tagung des obersten beschlussfassenden Gremiums für die über 33.000 Kolpingmitglieder unter 30 Jahren in Deutschland vom 21. bis 23. März 2025 in Augsburg wurde Cornelia Ritter aus der Kolpingsfamilie Nördlingen mit dem Ehrenzeichen der Kolpingjugend Deutschland ausgezeichnet. Die Kolpingjugend Schwabmünchen errang mit ihrem Demokratiespiel „Wahlwerkstatt - Jugend feilt an ihrer Zukunft“ beim Kolpingjugend Preis den 2. Platz.
Umfrage als Grundlage für politische Forderungen
Bereits vor der Bundestagswahl hat die Kolpingjugend mit einer Umfrage von Jugendlichen wissen wollen, was sie beschäftigt. Die Ergebnisse dieses „Kolpingjugend-Barometers“ wurden bei der Bundeskonferenz vorgestellt und sind Grundlage für den Antrag mit den politischen Forderungen an den neu gewählten Bundestag. Die Hauptüberschriften im Forderungskatalog lauten: „Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit für junge Menschen“, „Klimagerechtigkeit, eine lebenswerte Zukunft für junge Menschen sichern“, „Stärkung der Bildungsarbeit und Förderung einer vielfältigen Gesellschaft“ und „Gerechte und zukunftsorientierte Wohnpolitik für junge Menschen“. Eine konkrete Forderung lautet zum Beispiel: „Der schrittweise und schnellstmögliche Ausstieg aus allen fossilen Energien muss das zentrale Ziel bleiben. Nur so sorgen wir für eine generationengerechte Zukunft.“ Die Kolpingjugend fordert auch eine Stärkung der sozialen Absicherung: „Junge Menschen dürfen nicht aufgrund finanzieller oder sozialer Umstände in ihrer Entwicklung benachteiligt werden. Alle müssen die Möglichkeit haben, ein gesundes und erfülltes Leben zu führen.“
Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung…
Bei der Messefeier in der Hauskapelle des Maria-Ward-Zentrums rief Bischof Dr. Bertram Meier die jungen Erwachsenen auf, in einer Zeit wachsender gesellschaftlicher Polarisierungen Farbe zu bekennen. Bischof Meier griff in seiner Predigt das Motto „schwarz – orange – bunt“ der Jubiläumsveranstaltungen zum 175-jährigen Bestehen des Kolpingwerkes auf.
In Adolph Kolping sieht der Bischof ein „leuchtendes Beispiel“, was es heißt, die Nöte der Zeit wahrzunehmen und aus dem Glauben heraus zu handeln. Durch die Verbreitung des Katholischen Gesellenvereins habe Kolping „den Verlorenen ein Zuhause, in dem sie Unterstützung, Bildung und vor allem Liebe fanden“, geboten. Als Beispiele für Nöte unserer Zeit nannte Bischof Bertram fehlende Schulabschlüsse und die daraus folgenden schlechten Chancen für das Berufsleben, psychische Probleme durch Mediennutzung, Mediensucht, Einsamkeit, hohe Mietkosten und angesichts des Klimawandels großer Sorgen von jungen Menschen um die Zukunft.
Aufgrund der gravierenden Probleme in Deutschland und der Welt verwundert es Bischof Bertram nicht, dass junge Menschen Parteien wählen, „die mit scharfen Tönen einen teils radikalen politischen Kurswechsel fordern“. Er frägt kritisch nach: „Bieten diese Parteien wirklich Lösungen an, die sinnvoll und aus christlicher Sicht zu befürworten sind?“ Begeistert zeigt er sich von der Kolpingjugend, die bereits im Vorfeld der Wahl gute Orientierungshilfen angeboten hat. Er verweist dabei auch auf das Demokratiespiel der Kolpingjugend Schwabmünchen.
Angesichts der Krisenstimmung und der Politikverdrossenheit fordert der Augsburger Bischof die Delegierten der Kolpingjugend daher auf: „Lassen wir uns nicht anstecken von Leuten, die immer nur Schwarz-Weiß malen und die Atmosphäre in unserer Gesellschaft durch das Schüren von Ängsten und Aggressionen vergiften! Bekennen wir stattdessen Farbe und bringen, wie es Jesus uns im Evangelium aufgetragen hat, Frucht hervor (vgl. Lk 13,9), indem wir uns mit all unseren von Gott geschenkten Fähigkeiten für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen.“
Konkret fordert der Bischof Mitfeiernden auf, Farbe zu bekennen, indem sie sich klar gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit und völkischem Nationalismus positionieren. Einen respektvollen Umgang zwischen den Generationen, den Einsatz für die Ärmsten und Schwächsten in unserer Gesellschaft und weltweit, den Kampf gegen den Klimawandel und für den Schutz der Umwelt und die Verteidigung der Würde des Menschen, legte der Bischof den jungen Menschen zudem ans Herz.
„Bekennen wir Farbe, indem wir uns zu unserem Herrn Jesus Christus bekennen und im Gebet auf Gottes Stimme hören!“, so Bischof Bertram, weil auch Adolph Kolping soziales Engagement ohne eine Rückbindung an das Evangelium ablehne.
Cornelia Ritter – voller Tatkraft, mit Begeisterung und Gottvertrauen
Nach dem Gottesdienst erhielt Cornelia Ritter aus der Kolpingsfamilie Nördlingen das Ehrenzeichen der Kolpingjugend Deutschland. Thomas Ermisch, Mitglied im Diözesanvorstand des Kolpingwerkes Augsburg, sagte in seiner Laudatio, dass Cornelia Ritter Menschen für die Sache Kolpings begeistern kann. Im Auftrag und Namen der Bundesleitung der Kolpingjugend Deutschland würdigte er ihr Engagement auf Ortsebene beim Aufbau der Arbeit der Kolpingjugend in Nördlingen, ihre Tätigkeit in der Ausbildung von Jugendleitern in der Diözese Augsburg, ihren Einsatz für das Jugendtreffen in Bayern und ihre Mitwirkung auf Bundesebene. In Anerkennung für ihr „kontinuierliches, zuverlässiges und vor allem konstruktives Wirken im Ehrenamt“ sagte Ermisch im Namen der Bundesleitung „von Herzen vergelts Gott“. Bundesleiterin Michaela Brönner steckte der gerührten Cornelia Ritter die Ehrennadel an und verlas die dazugehörige Urkunde.
Abendprogramm „Willkommen in der Augsburger Puppenkiste“
Ein Team von Ehrenamtlichen aus der Kolpingjugend im Bistum Augsburg hatte nicht nur den Gottesdienst vorbereitet und stand als Helfende den Teilnehmenden mit Rat und Tat zur Seite sondern hatte auch das Abendprogramm für den Samstag vorbereitet. Passend zum Ort war die Augsburger Puppenkiste Impulsgeber und Leitfaden für das vielfältige Programm.
Die Bundesleitung der Kolpingjugend vergab an diesem Abend auch den Kolpingjugendpreis, mit dem jährlich zukunftsweisende Aktionen, Projekte oder Veranstaltungen ausgezeichnet werden. Die Kolpingjugend Ennepetal-Voerde, die während der 72-Stunden-Aktion des BDKJ 2024 1000 Bäume gepflanzt hat, erhielt den mit 500 Euro dotierten ersten Platz des Kolpingjugendpreises. Hannah Seiler, Johanna Heckl und Lukas Heckl nahmen für die Kolpingjugend Schwabmünchen den 2. Platz für das Demokratiespiel „Wahlwerkstatt – Jugend feilt an ihrer Zukunft“ entgegen. Die Tannenbaum-Aktion 2024 der Kolpingjugend Lingen-Laxten kam auf den dritten Platz. Die zweitplatzierte Gruppe erhält 300 und die drittplatzierte 200 Euro Preisgelt. Beworben hatten sich auch die Kolpingjugend Homburg mit dem Projekt „Krippenbau mit Herz“, die Kolpingjugend Landesverband Bayern mit der politischen Aktion „Landtag Live 2024“ und die Kolpingsfamilie Hilpoltstein mit der Kleidertauschparty.
Nach drei Jahren Amtszeit wurde Max Hanigk aus der Bundesleitung verabschiedet. Die weiteren Mitglieder der Bundesleitung und die Delegierten dankten ihm für sein Engagement. Mit einer Bildershow gab es einen Rückblick auf seine Amtszeit. Carina Müller aus dem Kolping-Diözesanverband Köln und Tim Schroers aus dem Diözesanverband Essen erhielten für ihr Engagement auf den verschiedenen Ebenen der Kolpingjugend und für ihren Einsatz in der Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit das Ehrenzeichen der Kolpingjugend Deutschland.
Robert Hitzelberger, Heinrich Lang und Franz Nusser schenkten am Festabend für den Diözesanvorstand Freibier und alkoholfreie Freigetränke für die Delegierten aus.
Stärkung der Ortsebene
In einem Studienteil hat sich die Bundeskonferenz mit der Stärkung der Ortsebene beschäftigt. Der Studienteil wurde von der Diözesanleitung der Kolpingjugend im Bistum Augsburg angeregt und durch eine Projektgruppe, an der Hannah Seiler aus Schwabmünchen mitarbeitete, vorbereitet. Vorab erfolgte eine Umfrage unter den Diözesanverbänden. Der Studienteil gab Raum für Austausch und zeigte Handlungsoptionen für die Diözesanverbände auf. Dr. Anna Grebe, Beraterin, Speakerin, Autorin und selbst in einem katholischen Jugendverband aufgewachsen, movierte die Vertretungen der 27 Kolpingjugend-Diözesanverbände zum politischen Einsatz und zum Gespräch und zur Kooperation mit unterschiedlichsten Trägern und Akteuren in Gesellschaft und Politik.
Leitsätze der Kolpingjugend
Die von der Bundeskonferenz 2024-2 eingesetzte Redaktionsgruppe arbeitet gemäß Auftrag an einer Aktualisierung der Leitsätze. Eine Entwurfsfassung lag der Bundeskonferenz vor und wurde diskutiert. Der Beschluss neuer Leitsätze soll auf der Bundeskonferenz 2025-2 erfolgen.
VorTour und weitere Themen
Ein Teil der Delegierten war bereits am Tag vor Beginn der Bundeskonferenz angereist. Ein Team von Ehrenamtlichen gestaltete für sie ein abwechslungsreiches Programm, zu dem auch der Besuch der Fuggerei und ein Aufstieg auf den Turm der Basilika St. Ulrich und Afra gehörten.
Bei der Bundeskonferenz standen weitere Themen wie zum Beispiel die geplanten Änderungen der Satzung des Kolpingwerkes Deutschland, das Jubiläumsfest vom 2. bis 4. Mai 2025 zum 175-jährigen Jubiläum des Kolpingwerkes in Köln und weitere Anträge auf der Tagesordnung.